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Ratgeber

Wie KI-Systeme entscheiden, welche Quellen sie zitieren

Ein KI-System durchläuft fünf Schritte, bevor es eine Quelle nennt. Es liest die Website (Crawling), zerlegt den Text in Abschnitte (Chunking), sucht die zur Frage passenden Abschnitte über deren Bedeutung (Abruf), trifft eine engere Auswahl nach Klarheit, Aktualität und Belegbarkeit (Neubewertung) und formuliert die Antwort, in der ein Betrieb genannt wird, wenn er als eindeutige Entität erkennbar ist.

Von Lukas Göggel, Goma-IT · 3. September 2026 · Retrieval · Chunking · Reranking · KI-Quellen · Entität

Wenn ChatGPT oder Perplexity auf eine Frage einen Betrieb nennen, steht dahinter kein Zufall und keine Redaktion, sondern eine Kette technischer Schritte. Wer diese Kette kennt, versteht, an welcher Stelle die eigene Website ausscheidet und warum manche Maßnahmen wirken und andere nicht. Dieser Artikel geht die fünf Schritte einzeln durch.

Schritt 1: Crawling — wird Ihre Seite überhaupt gelesen?

Am Anfang steht ein Crawler, ein Programm, das Websites abruft und ihren Inhalt speichert. KI-Anbieter betreiben eigene Crawler wie GPTBot, PerplexityBot oder ClaudeBot. Diese Programme laden den HTML-Code einer Seite und lesen, was darin steht. Was nicht im ausgelieferten HTML steht, existiert für sie nicht.

Hier liegt der erste Unterschied zur Google-Suche. Googlebot führt JavaScript aus und sieht deshalb auch Inhalte, die erst im Browser zusammengebaut werden. KI-Crawler tun das in der Regel nicht. Eine Website, die ihre Texte per JavaScript nachlädt, erscheint ihnen als leeres Gerüst mit Menü und Fußzeile. Hinzu kommen Sperren in der robots.txt, die den Zugriff verbieten, manchmal ohne dass der Betreiber davon weiß.

Konsequenz: Prüfen Sie, ob Ihre Texte im Quelltext der Seite stehen und ob die robots.txt keine KI-Crawler ausschließt. Wie das geht, beschreibt der Artikel zur Lesbarkeit für KI-Crawler.

Schritt 2: Chunking — wie wird Ihr Text zerlegt?

Ein Sprachmodell verarbeitet keine ganzen Websites, sondern Abschnitte begrenzter Länge. Der gecrawlte Text wird deshalb in Stücke zerschnitten, sogenannte Chunks. Wo die Schnitte liegen, bestimmt das System, nicht der Autor. Häufig orientieren sie sich an Absätzen und Überschriften, manchmal an einer festen Zeichenzahl.

Jeder Chunk wird später ohne seine Nachbarn betrachtet. Ein Absatz, der mit „Das bedeutet für Sie“ oder „Wie oben beschrieben“ beginnt, verliert in diesem Moment seinen Bezug. Das System weiß nicht mehr, worauf sich das bezieht, und kann den Abschnitt nicht verwenden. Dasselbe gilt für Absätze, die nur eine Überleitung enthalten, oder für Tabellen, deren Spaltenüberschriften auf einer anderen Seite stehen.

Konsequenz: Schreiben Sie jeden Absatz so, dass er allein verständlich ist. Nennen Sie das Subjekt beim Namen statt über Pronomen, und beginnen Sie mit der Aussage, nicht mit der Hinleitung. Mehr dazu im Artikel Zitierfähige Inhalte schreiben.

Schritt 3: Abruf — wird Ihr Abschnitt gefunden?

Die Chunks werden in Vektoren übersetzt, also in Zahlenreihen, die ihre Bedeutung abbilden. Abschnitte mit ähnlichem Inhalt liegen in diesem Zahlenraum nahe beieinander, auch wenn sie unterschiedliche Wörter verwenden. Trifft eine Frage ein, wird sie ebenfalls in einen Vektor übersetzt, und das System sucht die Chunks, die ihr am nächsten liegen.

Gesucht wird also nach inhaltlicher Nähe, nicht nach Stichwörtern. Ein Abschnitt, der die Frage präzise beantwortet, liegt nahe an ihr. Ein Abschnitt, der den Suchbegriff mehrfach wiederholt, aber keine Antwort gibt, liegt fern. Deshalb greift Keyword-Optimierung in diesem Schritt ins Leere, während eine klar formulierte Antwort greift. Der Vergleich zur klassischen Suche findet sich im Artikel GEO vs. SEO.

Konsequenz: Formulieren Sie Überschriften als die Fragen, die Ihre Kunden stellen, und beantworten Sie sie direkt darunter. Die Frage des Kunden und Ihr Abschnitt liegen dann im Bedeutungsraum eng zusammen.

Schritt 4: Neubewertung — ist Ihr Abschnitt vertrauenswürdig?

Der Abruf liefert mehr Kandidaten, als in eine Antwort passen. Aus ihnen trifft das System eine engere Auswahl. Dieser Schritt wird oft Reranking genannt. Hier zählen andere Kriterien als beim Abruf: Ist der Abschnitt klar formuliert? Ist die Information aktuell? Lässt sich die Aussage belegen? Wird dieselbe Aussage von unabhängigen Quellen gestützt?

Die letzte Frage ist für Betriebe entscheidend. Eine Behauptung, die nur auf der eigenen Website steht, wiegt weniger als eine, die auch in einem Verzeichnis, einer regionalen Meldung oder einem Fachbeitrag vorkommt. Das System bewertet nicht die Wahrheit, sondern die Übereinstimmung. Widersprüche zwischen Quellen, etwa unterschiedliche Adressen oder Leistungsbeschreibungen, senken die Bewertung.

Konsequenz: Halten Sie Angaben aktuell und überall gleich, nennen Sie Datum und Grundlage Ihrer Aussagen, und sorgen Sie dafür, dass Dritte dasselbe über Ihren Betrieb sagen wie Sie selbst.

Schritt 5: Antwort — werden Sie namentlich genannt?

Aus den verbliebenen Abschnitten formuliert das Sprachmodell die Antwort. Ihr Inhalt kann dabei einfließen, ohne dass Ihr Name fällt. Das System übernimmt dann Ihre Information, schreibt sie aber niemandem zu oder einer anderen Quelle, die dasselbe sagt. Ob eine Nennung erfolgt, hängt davon ab, wie eindeutig Sie als Entität erkennbar sind.

Eine Entität ist für das System ein klar abgegrenztes Ding mit Namen, Ort, Leistungen und Verknüpfungen zu anderen Quellen. Strukturierte Daten auf der Website, ein gepflegtes Google Business Profile, übereinstimmende Verzeichniseinträge und Erwähnungen an anderer Stelle im Netz machen aus einem Text einen benennbaren Betrieb. Wie das im Detail aufgebaut wird, erklärt der Artikel Strukturierte Daten und Entitäten.

Konsequenz: Arbeiten Sie an der Erkennbarkeit Ihres Betriebs als Entität, nicht nur an einzelnen Texten.

Die fünf Schritte im Überblick

SchrittFrage des SystemsWoran Inhalte scheitern
CrawlingKann ich die Seite lesen?JavaScript-Rendering, Sperren in der robots.txt
ChunkingIst der Abschnitt für sich verständlich?Bezüge auf vorherige Absätze, Überleitungen
AbrufPasst der Abschnitt zur Frage?Stichwörter statt Antworten
NeubewertungIst der Abschnitt vertrauenswürdig?Veraltete Angaben, Widersprüche, fehlende Bestätigung durch Dritte
AntwortWeiß ich, wer das ist?Unklare Entität, uneinheitliche Angaben

Was das für Vorarlberger Betriebe heißt

Die fünf Schritte gelten für einen Betrieb in Bludenz genauso wie für einen in Wien oder Zürich. Was sich unterscheidet, sind die Quellen, die das System für einen regionalen Markt heranzieht: Verzeichnisse, regionale Medien, Tourismusportale, Branchenplattformen. Wo Ihr Betrieb dort nicht oder mit abweichenden Angaben vorkommt, scheitert der Prozess in Schritt vier oder fünf, selbst wenn die Website technisch einwandfrei ist.

Ein KI-Sichtbarkeits-Audit prüft alle fünf Schritte in dieser Reihenfolge und benennt, an welchem Ihr Betrieb derzeit ausscheidet.

FAQ

Häufige Fragen dazu

Warum wird mein Inhalt verwendet, aber mein Name nicht genannt?

Weil das System Ihre Information übernehmen kann, ohne Sie als Entität zu erkennen. Der Abschnitt hat den Abruf und die Neubewertung bestanden, aber dem System fehlt eine eindeutige Verknüpfung zwischen Text und Betrieb. Strukturierte Daten, übereinstimmende Angaben in Verzeichnissen und Erwähnungen bei Dritten stellen diese Verknüpfung her.

Was ist ein Chunk?

Ein Chunk ist ein Textabschnitt begrenzter Länge, in den ein KI-System eine Website zerlegt, bevor es sie verarbeitet. Die Schnitte orientieren sich meist an Absätzen und Überschriften. Jeder Chunk wird später ohne seine Nachbarn bewertet. Deshalb muss jeder Absatz für sich verständlich sein und darf sich nicht auf vorherige Abschnitte beziehen.

Zählt bei KI-Systemen noch die Position in der Suchmaschine?

Indirekt. Viele KI-Systeme mit Web-Zugriff nutzen Suchindizes, um Kandidaten für den Abruf zu finden. Eine Seite, die dort gut auffindbar ist, hat bessere Chancen, in den Kandidatenkreis zu gelangen. Ob sie aus diesem Kreis ausgewählt und genannt wird, entscheiden dann Chunking, Abruf, Neubewertung und die Erkennbarkeit als Entität.

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Im Erstgespräch klären wir, welche Fragen Ihre Kunden stellen und ob sich eine Messung für Sie lohnt. Etwa 30 Minuten, kostenlos. Rechnet sich GEO für Sie derzeit nicht, sagen wir das.

Lukas Göggel, Inhaber der Goma-IT e.U. in Bludenz
Lukas Göggel
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