KI-Sichtbarkeit selbst prüfen: ChatGPT, Perplexity, Gemini
Bevor Sie Zeit oder Geld in GEO investieren, lohnt sich ein Blick auf die Ausgangslage. Eine erste Einschätzung, ob Ihr Betrieb in KI-Antworten vorkommt, können Sie mit Bordmitteln selbst gewinnen. Die folgende Anleitung beschreibt das Vorgehen und benennt die Stellen, an denen ein Selbsttest typischerweise in die Irre führt.
Warum reicht eine einzelne Abfrage nicht?
KI-Systeme erzeugen ihre Antworten mit einem Zufallsanteil. Dieselbe Frage kann in zwei Sitzungen zu unterschiedlichen Antworten führen, in denen einmal drei Betriebe genannt werden und einmal vier andere. Wer nur einmal fragt, misst deshalb einen Einzelfall und keine Sichtbarkeit. Erst mehrere Wiederholungen zeigen, ob eine Nennung regelmäßig oder zufällig erfolgt. Die Hintergründe erklärt der Artikel Warum KI-Antworten schwanken.
Hinzu kommt die Personalisierung. Ein eingeloggtes Konto mit Gesprächsverlauf, gespeicherten Vorlieben und früheren Fragen zum eigenen Betrieb liefert andere Antworten als eine neutrale Sitzung. Wer aus dem eigenen Konto heraus nach dem eigenen Betrieb fragt, bekommt mit einiger Wahrscheinlichkeit ein zu gutes Bild.
Schritt 1: Wie richten Sie eine neutrale Sitzung ein?
Melden Sie sich für den Test ab oder verwenden Sie ein Konto, das noch nie Fragen zu Ihrem Betrieb erhalten hat. Schalten Sie Funktionen ab, die den Verlauf speichern oder für Personalisierung nutzen. Wo sich diese Einstellungen befinden, ändert sich mit den Versionen; suchen Sie in den Einstellungen nach Begriffen wie Verlauf, Speicher, Personalisierung oder temporärer Chat.
Beginnen Sie jede Frage in einer neuen Unterhaltung. Innerhalb eines Gesprächs beeinflussen frühere Nachrichten die folgenden Antworten. Wenn Sie zuerst nach Ihrem Betrieb gefragt haben und dann eine allgemeine Frage stellen, ist das Ergebnis nicht mehr neutral. Ein zweiter Browser oder ein privates Fenster hilft, Anmeldungen und Cookies aus dem Alltag außen vor zu halten.
Schritt 2: Welche Fragen sollten Sie stellen?
Stellen Sie die Fragen, die Ihre Kunden tatsächlich stellen, nicht die, die Sie gerne hören würden. Die Frage nach dem eigenen Firmennamen ist wertlos, weil das System dann nur bestätigt, was Sie vorgegeben haben. Relevant ist, ob Ihr Betrieb genannt wird, wenn jemand ohne Vorwissen ein Anliegen formuliert.
Gute Testfragen enthalten ein Anliegen und einen Ort. Beispiele für den Aufbau:
- Empfehlungsfrage: welcher Anbieter für eine bestimmte Leistung in einem bestimmten Ort in Frage kommt
- Vergleichsfrage: worauf man bei der Auswahl eines Anbieters in der Region achten sollte
- Informationsfrage zu Ihrem Fachgebiet, bei der ein Betrieb als Quelle genannt werden könnte
- Frage nach Besonderheiten Ihrer Leistung, wie sie ein Kunde vor der Kontaktaufnahme stellen würde
Notieren Sie fünf bis zehn solcher Fragen und verwenden Sie sie unverändert für alle Systeme und alle Wiederholungen. Nur so lassen sich Ergebnisse vergleichen.
Schritt 3: Welche Systeme sollten Sie prüfen?
Prüfen Sie mindestens ChatGPT, Perplexity und Gemini. Die drei arbeiten unterschiedlich: Perplexity greift bei jeder Frage auf das Web zu und zeigt Quellen an, ChatGPT tut das je nach Einstellung und Frage, Gemini ist mit der Google-Suche verbunden. Die Ergebnisse können sich zwischen den Systemen deutlich unterscheiden, und eine Nennung in einem System sagt nichts über die anderen aus.
Achten Sie bei jedem System darauf, welche Modellversion aktiv ist, und notieren Sie sie. Anbieter wechseln ihre Modelle regelmäßig, und ein Ergebnis von heute lässt sich nur dann mit einem späteren vergleichen, wenn bekannt ist, was sich dazwischen geändert hat.
Schritt 4: Wie oft sollten Sie wiederholen?
Stellen Sie jede Frage in jedem System mindestens fünfmal, jeweils in einer neuen Unterhaltung. Unter dieser Zahl ist eine Aussage über Regelmäßigkeit kaum möglich. Bei zehn Fragen und drei Systemen ergibt das mindestens hundertfünfzig Abfragen, was den Aufwand eines ernsthaften Selbsttests realistisch beschreibt.
Schritt 5: Was gehört ins Protokoll?
Halten Sie je Abfrage fest, was Sie später brauchen, um Ergebnisse zu vergleichen.
| Feld | Inhalt |
|---|---|
| Datum und Uhrzeit | Wann die Abfrage erfolgte |
| System und Modellversion | Zum Beispiel der angezeigte Modellname |
| Frage | Wortgleich, wie eingegeben |
| Eigener Betrieb genannt | Ja oder Nein, gegebenenfalls an welcher Stelle |
| Andere genannte Betriebe | Namen in der Reihenfolge der Antwort |
| Angezeigte Quellen | Welche Websites das System als Beleg anführt |
| Auffälligkeiten | Veraltete Angaben, falsche Adresse, verwechselte Betriebe |
Die Spalte mit den angezeigten Quellen ist oft besonders aufschlussreich. Sie zeigt, welche Websites das System für Ihren Markt heranzieht, etwa Verzeichnisse, Bewertungsportale, regionale Medien oder Mitbewerber. Wo Ihr Betrieb dort nicht vorkommt, liegt ein konkreter Ansatzpunkt.
Schritt 6: Wie werten Sie die Ergebnisse aus?
Zählen Sie je Frage und System, in wie vielen Wiederholungen Ihr Betrieb genannt wurde. Daraus ergibt sich ein Anteil, der sich über die Zeit verfolgen lässt. Vergleichen Sie außerdem, welche Mitbewerber regelmäßig auftauchen und welche Quellen sich wiederholen. Ein Betrieb, der in Verzeichnissen fehlt, die das System bevorzugt, hat eine andere Aufgabe als einer, dessen Website nicht lesbar ist.
Wo liegen die Grenzen des Selbsttests?
Ein Selbsttest zeigt eine Momentaufnahme mit begrenzter Reichweite. Drei Grenzen sind zu beachten.
- Umfang: Zehn Fragen decken einen Bruchteil dessen ab, was Kunden tatsächlich fragen. Formulierungsvarianten verändern Antworten spürbar.
- Ursachen: Der Test zeigt, ob Sie genannt werden, aber nicht, warum nicht. Ob die Ursache in der Crawler-Zugänglichkeit, der Textstruktur oder fehlenden Erwähnungen liegt, erfordert eine technische Prüfung.
- Vergleichbarkeit: Ohne feste Methodik lassen sich zwei Erhebungen im Abstand von Monaten kaum vergleichen. Wie eine belastbare Erhebung aufgebaut ist, beschreibt die Methodik.
Was das für Vorarlberger Betriebe heißt
Für einen Betrieb in Vorarlberg sind die relevanten Fragen fast immer regional: eine Leistung, ein Ort, ein Anliegen. Das macht den Selbsttest überschaubar, weil sich die Fragen aus dem Alltag ableiten lassen. Die Übersicht nach Branchen hilft, die für Ihren Markt typischen Fragestellungen einzugrenzen.
Wenn der Selbsttest zeigt, dass Ihr Betrieb selten oder gar nicht vorkommt, klärt ein KI-Sichtbarkeits-Audit die Ursachen und legt fest, woran sich Veränderungen später messen lassen.
Häufige Fragen dazu
Warum soll ich nicht nach meinem Firmennamen fragen?
Weil das System dann nur bestätigt, was Sie vorgegeben haben. Es findet Ihre Website oder Ihren Eintrag und fasst ihn zusammen. Das sagt nichts darüber aus, ob Sie genannt werden, wenn ein Kunde ohne Vorwissen nach einer Leistung in Ihrer Region fragt. Genau diese Situation entscheidet über Sichtbarkeit, deshalb gehören nur solche Fragen in den Test.
Wie viele Wiederholungen sind nötig?
Mindestens fünf je Frage und System, jeweils in einer neuen Unterhaltung. KI-Antworten enthalten einen Zufallsanteil, deshalb zeigt erst die Wiederholung, ob eine Nennung regelmäßig oder zufällig erfolgt. Mehr Wiederholungen machen das Ergebnis stabiler, erhöhen aber den Aufwand entsprechend. Wichtiger als eine hohe Zahl ist, dass Sie bei jeder Erhebung gleich vorgehen.
Was sagt der Selbsttest nicht?
Er zeigt, ob Sie genannt werden, nicht warum. Ob die Ursache in der Zugänglichkeit für KI-Crawler, in der Textstruktur oder in fehlenden Erwähnungen bei Dritten liegt, lässt sich nur mit einer technischen Prüfung klären. Außerdem deckt er nur einen kleinen Ausschnitt der tatsächlich gestellten Fragen ab und ist ohne feste Methodik schwer über Monate vergleichbar.